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Meine Geschichte beginnt im Pommernland.- 
In der Ostpommerschen Schweiz, im Tempelburger Land wurde ich 1926 geboren und wuchs an Seen und in Wäldern auf.
 
Ich darf heute aus Erfahrung von mir sagen, dass ein Boot mein Leben ist. Mit ihm erlebt man die größtmögliche Freiheit, gelangt man auf Inseln, in eine eigene, manchmal sogar noch heile Miniaturwelt.


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Dieses hier war meine erste. Die Neugier trieb mich zu ihr. Zehnjährig erreichte ich sie zunächst schwimmend. Danach wegen der vielen Stechmücken mit einem Kanu. Richtig wild sah es auf dieser Insel aus. Was die freilebenden Tiere mögen, gefällt auch mir, denn ihre Gesellschaft suche ich.
Die Schilfgürtel rundum waren voller Leben. Ich kletterte auf ufernahe Bäume, um von oben in die Nester der Wasservögel zu schauen.

(Foto: Küken der Blessralle)

 


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Hauben- und Schwarzhalstaucher traf ich an meiner Insel. Alle diese sonst menschenscheuen Tiere nahmen mich nicht wahr. So konnte ich teilnehmen an ihrem heimlichen Leben und genoss das als Triumph.

(Foto: Schwarzhalstaucher bei der Atzung)

Nirgendwo ist Schönheit lebendiger, wahrhaftiger, in stetem Wechselspiel erlebbar, als in der von Menschen unverfälschten Natur.


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Und wenn ich nicht auf meiner Insel oder in meinem Boot war, dann waren es die großen Wälder meiner Pommerschen Heimat, mit ihren verschwiegenen Waldseen, die kaum ein Stadtmensch kannte, die mich in ihren Bann zogen. Hier mochte ich einfach nur sein, lauschen und schauen. Alles in allem eine glückliche Kindheit und Jugend, bis mir eines Tages der personifizierte Wahnsinn das menschenverachtende Kriegsspiel befahl. Bei Verweigerung hätte man mich kurzerhand erschossen.
 

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1950 kehrte ich aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heim und fand 1965 endlich einen Ersatz für meine verlorene Ostpommersche Heimat in der Ostholsteinischen Schweiz. Plön wurde meine neue Wahlheimat. 
Hier hatte ich wieder Seen und Inseln, an deren bewachsenen Ufern ich anfangs noch anlegen, deren Innenraum ich betreten konnte und langsam wieder begreifen lernte, wie wohltuend es ist, hier einmal ganz ungestört allein zu sein und zu mir selbst zu finden.


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Dann kam mir oft das Lebensgefühl: "Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!" Heute sind alle Inseln der Plöner Seen Schutzgebiet. An ihren Ufern anzulegen oder sie zu betreten ist aus Gründen des Artenschutzes verboten.
 

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Die unbewaldeten flachen Inseln sind Brutstätten der Möwen, Seeschwalben und Entenvögel und wie alle Inseln auf diesen Seen auch Schutzgebiete, die zurecht Vögeln vorbehalten sind.
Es reizte mich, das Vogelleben auf diesen Inseln aus nächster Nähe zu beobachten. Ich hatte ja schon als Kind gelernt, wie sich ein Mensch verhalten muss, um scheue Wildtiere nicht zu stören. Eine Schilfhütte verbarg meine unmittelbare Gegenwart. 


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So nahm ich teil am Leben dieser Vögel, studierte ihre Verhaltensweisen, war ihnen so nah, lebte mit ihnen in ihrer Welt, und das über Jahre.

(Foto: Lachmöwe auf ihrem Nest)

Dieser Junghabicht z.B. baumte vor mir auf. Er war nicht beringt, also ein absoluter Wildvogel. 


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Ich erfuhr, wie mit dem Erwachsenwerden der Jungvögel sich das Leben an die Uferzonen verlagerte. Um die einsehen zu können, baute ich mir eine schwimmende Strauchhaube,
die selbst von Menschen aus nächster Nähe nicht als ein Gehäuse erkannt wurde.


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An ihrer Frontseite befand sich die Eingangstür zum Hochklappen, die heruntergeklappt zugleich mein getarnter Ausblick war. Nun konnte ich von der Seeseite die Ufer einsehen, war mit diesem Strauchhaufen sogar mobil.
Über tieferes Wasser bewegte ich mein Fahrzeug mittels Schwimmflossen an meinen Füßen. Im flachen Wasser ging ich unter ihm über den Grund, im sehr flachen schob ich es auf Knien durchs Wasser, alles, ohne gesehen zu werden. Ich konnte es sogar aufs Land setzen, ohne in Erscheinung zu treten. Eine regelrechte Tarnkappe.
 
Scheuen Tieren in freier Wildbahn so nah zu sein, unter ihnen verweilen zu können, empfand ich als paradiesischen Zustand.


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Ich habe sogar etliche Nächte unter dieser Haube auf eingeschobenen Sperrholzplatten über dem Wasser am Ufer der Vogelinsel geschlafen und musste erfahren, dass Vögel keine Nachtruhe einhalten, immer Laute von sich geben, was im Gegensatz zu mir ihre Artgenossen offenbar nicht stört.
 
(Foto: Flussseeschwalbe tränkt ihr Küken)

Mein Versteck schenkte mir Bilder, die sonst kein Mensch so sieht. Meine Teleobjektive konnte ich zu Hause lassen.

(Foto: Ein wildlebender Kormoran direkt vor meiner Kamera)


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Seltene Arten landeten vor meinen Augen.

(Foto: Ein sperlingsgroßer Zwergstrandläufer und Regenpfeifer)

Selbst den scharfen Adleraugen entging meine Gegenwart.

(Foto: Seeadlerpaar)


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So erlebte ich das großartige Kommen und Gehen, den eigentlich wunderbaren Rhythmus des Universums um mich herum, das Du als Natur und das Wunder des Lebens im Ich.