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Aber viel länger als 1 Woche hielt ich es auf einer Insel selten aus. Ich hatte mein schnelles Boot, mit dem ich ohnehin jeden Tag die naheliegenden Riffkanten absegelte, um Fische zu fangen. Und im Umkreis sah ich dabei andere Inseln am Horizont. So blieb eine ständige Neugier in mir lebendig. 
Ohne mein Boot wäre ich auf einer mir gefälligen Insel eher sesshaft geworden; wie ein echter Robinson. Aber außer Kokosnüssen in allen Reifestadien und einige essbare grüne Blätter und natürlich Fische, Muscheln, Schnecken und Krebse, vielleicht sogar Regenwasser zum Trinken, bot mir meine Inselspeisekammer nichts. Da es keine langfristigen Pachtverträge gab, blieb eine gärtnerische Nutzung des meist kargen Sandbodens für den Pächter ein Risiko.
 
Er hätte Bananen, Papayas, Tomaten, Brotfrucht- und Mangobäume, Melonen, Ananas, Limonen, auch Süßkartoffeln anpflanzen können. Ob er deren Früchte auch geerntet hätte? Hätten die eingeschleppten Wanderratten es zugelassen? 


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Auch herumvagabundierende Fischer haben verständlicherweise immer Hunger. Wer will sie verurteilen, wenn sie diesen mit den Früchten einer menschenleeren Insel stillen?
Ich war also von Zeit zu Zeit gezwungen, ein Inseldorf der Fischer aufzusuchen, in dessen Stubenshop ich mich verproviantierte. 


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Und weil man mich rundum schon als Medizinmann schätzte und auch beanspruchte, meine Medikamente aber schon aufgebraucht waren, suchte ich schon recht bald die nächstgelegene unbewohnte Insel auf, um wenigstens die Nacht in Ruhe verschlafen zu können.
Schlimme Hautpilzerkrankungen heilte ich mit dem Wirkstoff Clotrimazol. Für nur einen Erkrankten benötigte ich ca. 60 - 80 Tuben. Meine medizinischen Erfolge sprachen sich herum. Der Verbrauch an Heilmitteln überstieg bald meine Kräfte.
 

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2 Zentner Übergepäck an Medikamenten, größtenteils aus eigener Tasche bezahlt, schleppte ich allmählich mit, um den vielen Kranken helfen zu können.
Weil mein kleines Boot nicht soviel Gepäck tragen konnte ohne seine Schwimmfähigkeit zu verlieren, erwarb ich 1990 ein maledivisches Fischerboot aus Zweiter Hand. Mit ihm konnte ich z.B. auch unbemittelte Kranke ins Hospital nach Male befördern, aber auch das Leben maledivischer Fischer führen.
 

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Meine Inselträume wurden betreffs Schönheit und Erlebnistiefe von der Wirklichkeit übertroffen. Ich war in einem Paradies gelandet, in dem meine Seele schwelgte, mein Gaumen und Bauch, ohne Schaden zu nehmen, allerdings europäischen Gewohnheiten absagen mussten. 
Für keine Sekunde hätte ich diese Erlebniswelt gegen die Angebote eines Supermarktes in unserer Wohlstandsgesellschaft eingetauscht!
 
War es windstill und schwül, schlief ich auf kleinen Sandbänken mitten im Meer.

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Das tun auch die Seevögel gerne, wie hier grauschwarze Noddiseeschwalben. Auf Sandbänken gibt es keine Moskitos. 
Diese Nächte mit den Geräuschen des Meeres, dessen Wellenkämme bei höchstem Wasserstand manchmal unter meinem Katamaran zischend durchliefen, auch schon mal mein Boot erschütterten, wie diese Blitzaufnahme zeigt, - 

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der Blick aus der stets offenen Zelttür auf das mondglitzernde Meer, die edelsteinfarbenen Lichter des nächtlichen Himmels, das Wissen um mein Alleinsein in dieser reinsten Unendlichkeit mit dem Gefühl des Geborgenseins,
das mir der warme Wind und der feste Boden meiner kleinen Sandbank vermittelten, waren wohl Geschenke meines verständnisvollen Engels, den meine Sehnsucht und Begeisterung gerührt haben mussten.- War es ein Vorgeschmack der Ewigkeit? 

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Ja, ich erlebte 1990 wirklich eine Insel der Superlative in dieser ohnehin schon paradiesischen Inselwelt. Nach 4 Tagen Fahrt sah ich die gesuchte Insel im südlichen Horizont. Diese Insel hat mich durch ihre vielfältige Einmaligkeit derart fasziniert, dass ich über sie das Buch "Die Insel der Maahoras" schrieb, ja schreiben musste!
Ich war auf eine wirkliche Schatzinsel gekommen, auf der man wohl kaum eine gefüllte Schatztruhe finden würde, man aber dafür autark und gesund leben könnte, ohne Geld und künstliche Energie. Weit weg im Abseits, als Insel eine Sensation besonderer Art, von der die Weltöfffentlichkeit nichts weiß.
Heute weiß ich, dass ich diese Insel nie mehr wiedersehen werde. -

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